Bist du auch wie ein Radiergummi und reibst dich auf?
Oder wie ein Zirkel und bewegst dich im Kreis?
Wie ein Bleistift und alles so eintönig anthrazit?
Komm, zieh mal den Reißverschluss und geh aus dem Schreibmäppchen raus!
Bist du auch wie ein Radiergummi und reibst dich auf?
Oder wie ein Zirkel und bewegst dich im Kreis?
Wie ein Bleistift und alles so eintönig anthrazit?
Komm, zieh mal den Reißverschluss und geh aus dem Schreibmäppchen raus!
in die erde fallen
die schale aufbrechen
den keim losschicken
aufnehmen, was die erde hergibt
dem licht entgegenwachsen
Christian Morgenstern:
Der Zwölf-Elf
Der Zwölf-Elf hebt die linke Hand:
Da schlägt es Mitternacht im Land.
Es lauscht der Teich mit offnem Mund
Ganz leise heult der Schluchtenhund.
Die Dommel reckt sich auf im Rohr
Der Moosfrosch lugt aus seinem Moor.
Der Schneck horcht auf in seinem Haus
Desglelchen die Kartoffelmaus.
Das Irrlicht selbst macht Halt und Rast
auf einem windgebrochnen Ast.
Sophie, die Maid, hat ein Gesicht:
Das Mondschaf geht zum Hochgericht.
Die Galgenbrüder wehn im Wind.
Im fernen Dorfe schreit ein Kind.
Zwei Maulwürf küssen sich zur Stund
als Neuvermählte auf den Mund.
Hingegen tief im finstern Wald
ein Nachtmahr seine Fäuste ballt:
Dieweil ein später Wanderstrumpf
sich nicht verlief in Teich und Sumpf.
Der Rabe Ralf ruft schaurig: »Kra!
Das End ist da! Das End ist da!«
Der Zwölf-Elf senkt die linke Hand:
Und wieder schläft das ganze Land.
Nach Diktat verreist.
Sinn
Eine große Kunst, das so zu lesen. und dann noch diese Zeichnung….Einfach gelungen. Immer wieder gut.
Manchmal stolperst du
über die eignen füße
lebensrisiko
(Haiku)
allen suchenden
dinge verschwinden
manchmal sind sie wieder da
nicht nachvollziehbar
dinge sind wohl so
haben sie eigenleben?
da! wieder eins weg
Jörg Wilkesmann-Brandtner: Herbst – und dann?
Gestern Sommer
Heute Herbst
Fortsetzung folgt
Wilhelm Busch: Im Herbst
Der schöne Sommer ging von hinnen,
Der Herbst, der reiche, zog ins Land.
Nun weben all die guten Spinnen
So manches feine Festgewand.
Sie weben zu des Tages Feier
Mit kunstgeübtem Hinterbein
Ganz allerliebste Elfenschleier
Als Schmuck für Wiese, Flur und Hain.
Ja, tausend Silberfäden geben
Dem Winde sie zum leichten Spiel,
Sie ziehen sanft dahin und schweben
Ans unbewußt bestimmte Ziel.
Sie ziehen in das Wunderländchen,
Wo Liebe scheu im Anbeginn,
Und leis verknüpft ein zartes Bändchen
Den Schäfer mit der Schäferin.
Über die Heide hallet mein Schritt;
Dumpf aus der Erde wandert es mit.
Herbst ist gekommen, Frühling ist weit -
Gab es denn einmal selige Zeit?
Brauende Nebel geisten umher;
Schwarz ist das Kraut und der Himmel so leer.
Wär ich hier nur nicht gegangen im Mai!
Leben und Liebe – wie flog es vorbei!
Theodor Storm war ein ziemlicher Pessimist. Da sieht man’s wieder.
So voller glück
doch alles wird enden
das glück und ich und alles
in meinen händen bleibt nichts
doch ich, ich bleib in guten händen