Mit ‘Christian Morgenstern’ getaggte Beiträge

Dieser Klassiker darf nicht fehlen

1. 4. 2014

Christian Morgenstern:
Der Lattenzaun

Es war einmal ein Lattenzaun,
mit Zwischenraum, hindurchzuschaun.

Ein Architekt, der dieses sah,
stand eines Abends plötzlich da -

und nahm den Zwischenraum heraus
und baute draus ein großes Haus.

Der Zaun indessen stand ganz dumm,
mit Latten ohne was herum,

Ein Anblick grässlich und gemein.
Drum zog ihn der Senat auch ein.

Der Architekt jedoch entfloh
nach Afri- od- Ameriko.

Wie hat mein Blog das so lange ohne dieses zentrale Gedicht ausgehalten?

Ist zufällig Frau Windelband zugegen?

13. 3. 2014

Christian Morgenstern:
Kennst du den großen Elefanten…

Kennst du den großen Elefanten,
du weißt, den Onkel von den Tanten,
den ganz ganz großen, weißt du, der,
der immer so macht, hin und her.

Der lässt dich nämlich vielmals grüßen,
er hat mit seinen eignen Füßen
hineingeschrieben in den Sand:
Grüß mir Sophiechen Windelband!

Du darfst nicht zu sehr drüber lachen!
Wenn Elefanten so was machen,
so ist dies selten, meiner Seel!
Weit seltner als bei dem Kamel.

Der will nur wortspielen

16. 1. 2014

Christian Morgenstern:
Der Werwolf

Ein Werwolf eines Nachts entwich
von Weib und Kind und sich begab
an eines Dorfschullehrers Grab
und bat ihn: “Bitte, beuge mich!”

Der Dorfschulmeister stieg hinauf
auf seines Blechschilds Messingknauf
und sprach zum Wolf, der seine Pfoten
geduldig kreuzte vor dem Toten:

“Der Werwolf”, sprach der gute Mann,
“des Weswolfs, Genitiv sodann,
dem Wemwolf, Dativ, wie mans nennt,
den Wenwolf, – damit hats ein End.”

Dem Werwolf schmeichelten die Fälle,
er rollte seine Augenbälle.
“Indessen”, bat er, “füge doch
zur Einzahl auch die Mehrzahl noch!”

Der Dorfschulmeister aber musste
gestehn, dass er von ihr nichts wusste.
Zwar Wölfe gäbs in großer Schar,
doch “Wer” gäbs nur im Singular.

Der Wolf erhob sich tränenblind -
er hatte ja doch Weib und Kind!!
Doch da er kein Gelehrter eben,
so schied er dankend und ergeben.

Hier besonders an >N< gedacht, mit Dank für die Erinnerung an dieses wertvolle Gedicht, indem sie eine Kopie zur Erweiterung der Kulturbildung für sich, die nachwachsende Generation und eventuell bedürftige Gäste an die Toiletteninnentür geheftet hat. (Und sowieso Dank auch für den Austausch. Ist eigentlich klar, nur nicht allen Leserinnen und Lesern. ;) )

Die wirklich praktischen Leute

30. 10. 2013

Ein Gedicht von Christian Morgenstern

Es kommen zu Palmström heute
die wirklich praktischen Leute,

die wirklich auf allen Zehen
im wirklichen Leben stehen.

Sie klopfen ihm auf den Rücken
und sind in sehr vielen Stücken –

so sagen sie – ganz die Seinen.
Doch wer, der mit beiden Beinen

im wirklichen Leben stände,
der wüsste doch und befände,

wie viel, so gut auch der Wille,
rein idealistische Grille.

Sie schütteln besorgt die Köpfe
und drehn ihm vom Rock die Knöpfe

und hoffen zu postulieren:
er wird auch einer der Ihren,

ein Glanzstück erlesenster Sorte,
ein Bürger, mit einem Worte.

Nach über 100 Jahren immer noch aktuell.

Was mir beim Tod des alten Literaturkritikers

20. 9. 2013

Die Brille

Korf liest gerne schnell und viel;
darum widert ihn das Spiel
all des zwölfmal unerbetnen
Ausgewalzten, Breitgetretnen.

Meistens ist in sechs bis acht
Wörtern völlig abgemacht,
und in ebensoviel Sätzen
lässt sich Bandwurmweisheit schwätzen.

Es erfindet drum sein Geist
etwas, was ihn dem entreißt:
Brillen, deren Energieen
ihm den Text – zusammenziehen!

Beispielsweise dies Gedicht
läse, so bebrillt, man – nicht!
Dreiunddreißig seinesgleichen
gäben erst – Ein – - Fragezeichen!!

Christian Morgenstern

Wenn ein Blog in die Zeitung kommt

13. 8. 2013

Ich habe es fast geahnt. Das Sommerloch hat seinen Preis.

Andererseits: Ich habe nicht geahnt, was für Folgen mein Schalk im Nacken hat, bloß weil ich Morgensterns Galgenlieder mag.

In der Lokalausgabe der Rhein-Zeitung vom 10. August, geschrieben von Mario Quadt:

Da bin ich mit dem Blog ganz anders gelandet als gedacht. Ist trotzdem schön. :)

Lieg vor dir selber auf der Lauer

12. 6. 2013

Christian Morgenstern:

Mopsenleben

Es sitzen Möpse gern auf Mauerecken,
die sich ins Straßenbild hinaus erstrecken,

um von sotanen vorteilhaften Posten
die bunte Welt gemächlich auszukosten.

O Mensch, lieg vor dir selber auf der Lauer,
sonst bist du auch ein Mops nur auf der Mauer.

In der Kreativitätsheptade wiederentdeckt. Ein Kleinod morgensternscher Dichtkunst.

Paul Schrimm lässt grüßen

4. 4. 2013

Der Schnupfen

Christian Morgenstern

Ein Schnupfen hockt auf der Terasse,
auf dass er sich ein Opfer fasse

- und stürzt alsbald mit großem Grimm
auf einen Menschen namens Schrimm.

Paul Schrimm erwidert prompt: “Pitschü!”
und  h a t  ihn drauf bis Montag früh.

Unsinnspoesie, Galgenlied

19. 1. 2013

Christian Morgenstern:

Der Zwölf-Elf

Der Zwölf-Elf hebt die linke Hand:
Da schlägt es Mitternacht im Land.

Es lauscht der Teich mit offnem Mund
Ganz leise heult der Schluchtenhund.

Die Dommel reckt sich auf im Rohr
Der Moosfrosch lugt aus seinem Moor.

Der Schneck horcht auf in seinem Haus
Desglelchen die Kartoffelmaus.

Das Irrlicht selbst macht Halt und Rast
auf einem windgebrochnen Ast.

Sophie, die Maid, hat ein Gesicht:
Das Mondschaf geht zum Hochgericht.

Die Galgenbrüder wehn im Wind.
Im fernen Dorfe schreit ein Kind.

Zwei Maulwürf küssen sich zur Stund
als Neuvermählte auf den Mund.

Hingegen tief im finstern Wald
ein Nachtmahr seine Fäuste ballt:

Dieweil ein später Wanderstrumpf
sich nicht verlief in Teich und Sumpf.

Der Rabe Ralf ruft schaurig: »Kra!
Das End ist da! Das End ist da!«

Der Zwölf-Elf senkt die linke Hand:
Und wieder schläft das ganze Land.

Nach Diktat verreist.
Sinn

Lebenskunst

14. 6. 2012

Sieh, das ist Lebenskunst:
Vom schweren Wahn
des Lebens
sich befrein,
fein hinzulächeln
übers große Muss.

Christian Morgenstern

Darüber kann man nachdenken. Ich finde es gut!
(Und Morgenstern hat manche ernste Sachen geschrieben, mit denen ich nichts anfangen kann.)

Heißes Herz und eisiges Wetter passen nicht zusammen

10. 2. 2012

Der Seufzer

Ein Seufzer lief Schlittschuh auf nächtlichem Eis
und träumte von Liebe und Freude.
Es war an dem Stadtwall, und schneeweiß
glänzten die Stadtwallgebäude.

Der Seufzer dacht an ein Maidelein
und blieb erglühend stehen.
Da schmolz die Eisbahn unter ihm ein -
und er sank – und ward nimmer gesehen.

Christian Morgenstern

Unerhörtes Erlebnis

5. 8. 2011

Christian Morgenstern:

Der Gaul

Es läutet beim Professor Stein.
Die Köchin rupft die Hühner.
Die Minna geht: Wer kann das sein? -
Ein Gaul steht vor derTüre.

Die Minna wirft die Türe zu.
Die Köchin kommt: Was gibt’s denn?
Das Fräulein kommt im Morgenschuh.
Es kommt die ganze Familie.

“Ich bin, verzeihn Sie”, spricht der Gaul,
“der Gaul vom Tischler Bartels.
Ich brachte Ihnen dazumaul
die Tür- und Fensterrahmen!”

Die vierzehn Leute samt dem Mops,
sie stehn, als ob sie träumten.
Das kleinste Kind tut einen Hops,
die andern stehn wie Bäume.

Der Gaul, da keiner ihn versteht,
schnalzt bloß mal mit der Zunge,
dann kehrt er still sich ab und geht
die Treppe wieder hinunter.

Die dreizehn schaun auf ihren Herrn,
ob er nicht sprechen möchte.
Das war, spricht der Professor Stein,
ein unerhörtes Erlebnis! …

Ja, die Pferde, die Philosophie – und die Deutungshoheit der Eliten…


Unübertroffen

2. 5. 2011

Gert Fröbe rezitiert “Gespräch einer Hausschnecke mit sich selbst” von Christian Morgenstern:

Nachlesen lässt es sich auch.

Schwarz-grau-stumm

19. 1. 2011

Christian Morgenstern:

Der Rabe Ralf

Der Rabe Ralf
will will hu hu
dem niemand half
still still du du
half sich allein
am Rabenstein
will will still still
huhu

Die Nebelfrau
will will hu hu
nimmt’s nicht genau
still still du du
sie sagt nimm nimm
‘s ist nicht so schlimm
will will still still
huhu

Doch als ein Jahr
will will hu hu
vergangen war
still still du du
da lag im Rot
der Rabe tot
will will still still
du du

Aufhellende Interpretationen senden Sie bitte an den Deutschlehrer Ihres Vertrauens (respektive Deutschlehrerin Ihres Vertrauens).

Zur Wetterlage

3. 12. 2010

Christian Morgenstern:

Die drei Spatzen

In einem leeren Haselstrauch
da sitzen drei Spatzen, Bauch an Bauch.

Der Erich rechts und links der Franz
und mittendrin der freche Hans.

Sie haben die Augen zu, ganz zu,
und obendrüber da schneit es, hu!

Sie rücken zusammen dicht an dicht.
So warm wie der Hans hat’s niemand nicht.

Sie hör’n alle drei ihrer Herzlein Gepoch.
Und wenn sie nicht weg sind, so sitzen sie noch.


haushundhirschblog

der notizblock in schräglage

Die Chaosbude

Alles Chaos, oder was?

himmel und erde

leben und glauben mit allen möglichen facetten

Der rote Sonnenschirm

Mein Guck auf's Brucker Land und den Rest der Welt

druckstelle

Blog für kleine und große Buchprojekte

Mach dein Leben bunter!

Verbuntung - Die Seite für Nach- und Vordenker

Marcus Johanus

Über das Schreiben

TBW-Pur

Das Leben ist ein Geschenk

1 BLICK AUF

Verschiedene Kunstbereiche, Vernetzung und Gemeinsamkeit!

SalvaVenia

Couldn't think of nothing to say

philori.de

Philosophische Ristretti

Mein Lesestübchen

Gedanken, in Text und Bild verpackt

Valeat

Und tu nicht mehr in Worten kramen. Goethe, Faust 1

Henningsheim

Alltägliche Begegnungen

Heartenough

Photography Creation Imagination

Claras Allerleiweltsgedanken

Fast-Berlinerin plaudert aus dem Nähkästchen

ameisen im kirschblütenhaufen

in zwischen hinter unter mit den worten unterwegs

Jörgs Theologischer Weblog für Kopf und Herz

druckstelle

Jörgs Theologischer Weblog für Kopf und Herz

Follow

Erhalte jeden neuen Beitrag in deinen Posteingang.

Schließe dich 161 Followern an

%d Bloggern gefällt das: