Mit ‘Christian Morgenstern’ getaggte Artikel

Heißes Herz und eisiges Wetter passen nicht zusammen

10. 2. 2012

Der Seufzer

Ein Seufzer lief Schlittschuh auf nächtlichem Eis
und träumte von Liebe und Freude.
Es war an dem Stadtwall, und schneeweiß
glänzten die Stadtwallgebäude.

Der Seufzer dacht an ein Maidelein
und blieb erglühend stehen.
Da schmolz die Eisbahn unter ihm ein -
und er sank – und ward nimmer gesehen.

Christian Morgenstern

Unerhörtes Erlebnis

5. 8. 2011

Christian Morgenstern:

Der Gaul

Es läutet beim Professor Stein.
Die Köchin rupft die Hühner.
Die Minna geht: Wer kann das sein? -
Ein Gaul steht vor derTüre.

Die Minna wirft die Türe zu.
Die Köchin kommt: Was gibt’s denn?
Das Fräulein kommt im Morgenschuh.
Es kommt die ganze Familie.

“Ich bin, verzeihn Sie”, spricht der Gaul,
“der Gaul vom Tischler Bartels.
Ich brachte Ihnen dazumaul
die Tür- und Fensterrahmen!”

Die vierzehn Leute samt dem Mops,
sie stehn, als ob sie träumten.
Das kleinste Kind tut einen Hops,
die andern stehn wie Bäume.

Der Gaul, da keiner ihn versteht,
schnalzt bloß mal mit der Zunge,
dann kehrt er still sich ab und geht
die Treppe wieder hinunter.

Die dreizehn schaun auf ihren Herrn,
ob er nicht sprechen möchte.
Das war, spricht der Professor Stein,
ein unerhörtes Erlebnis! …

Ja, die Pferde, die Philosophie – und die Deutungshoheit der Eliten…


Unübertroffen

2. 5. 2011

Gert Fröbe rezitiert “Gespräch einer Hausschnecke mit sich selbst” von Christian Morgenstern:

Nachlesen lässt es sich auch.

Schwarz-grau-stumm

19. 1. 2011

Christian Morgenstern:

Der Rabe Ralf

Der Rabe Ralf
will will hu hu
dem niemand half
still still du du
half sich allein
am Rabenstein
will will still still
huhu

Die Nebelfrau
will will hu hu
nimmt’s nicht genau
still still du du
sie sagt nimm nimm
‘s ist nicht so schlimm
will will still still
huhu

Doch als ein Jahr
will will hu hu
vergangen war
still still du du
da lag im Rot
der Rabe tot
will will still still
du du

Aufhellende Interpretationen senden Sie bitte an den Deutschlehrer Ihres Vertrauens (respektive Deutschlehrerin Ihres Vertrauens).

Zur Wetterlage

3. 12. 2010

Christian Morgenstern:

Die drei Spatzen

In einem leeren Haselstrauch
da sitzen drei Spatzen, Bauch an Bauch.

Der Erich rechts und links der Franz
und mittendrin der freche Hans.

Sie haben die Augen zu, ganz zu,
und obendrüber da schneit es, hu!

Sie rücken zusammen dicht an dicht.
So warm wie der Hans hat’s niemand nicht.

Sie hör’n alle drei ihrer Herzlein Gepoch.
Und wenn sie nicht weg sind, so sitzen sie noch.

Schönes Lied, Zitateklau

5. 2. 2010

Ein schönes Lied, nicht wahr?

Hier als Audio-Datei:

Hannes Wader, Rohr im Wind

Weder auf dem Plattencover noch sonstwo steht der Autor des Gedichtes.

Hier ist er, mit seinem Gedicht –  samt der im Lied gestrichenen mittleren Strophe:

Christian Morgenstern

Rohr im Wind

Ich bin ein Rohr im Wind.
Bind dich nicht an mich.
Ich bin kein Halt für, Kind,
dein Boot und dich.

Ich bin ein Rohr im Wind,
der singt mit mir zusamm’
ein Lied vom fahrenden Stamm
des Söhn’ wir sind.

Ich bin ein Rohr im Wind.
Bind nicht an mich dein Boot.
Es war für dich, lieb Kind,
wie mich – der Tod.

Un-möglich

29. 1. 2010

Als ich jüngst auf einem anderen Blog über Schamorkel und Überripse meditierte, fiel mir auch etwas ähnlich Sinnhaltiges von Christian Morgenstern ein.

Golch und Flubis

Golch und Flubis, das sind zwei
Gaukler aus der Titanei,

die mir einst in einer Nacht,
Zri, die große Zra, vermacht.

Mangelt irgend mir ein Ding,
ein Beweis, ein Baum, ein Ring -

ruf ich Golch und er verwandelt
sich in das, warum sichs handelt.

Während Flubis umgekehrt
das wird, was man gern entbehrt.

Bei zum Beispiel Halsbeschwerden
wird das Halsweh Flubis werden.

Fällte dich zum Beispiel Mord,
ging der Tod als Flubis fort.

Lieblich lebt es sich mit solchen
wackern Flubissen und Golchen.

Darum suche jeder ja
dito Zri, die große Zra.

(Christian Morgenstern)

Wofür man Golch und Flubis benötigt, dürfte klar sein.

Die Überripse: braucht man doppelt, damit die Schamorkel funktioniert. Aber was treibt sie an? Den Sinnhalt vermutlich (siehe oben.)

Alt und aktuell

30. 12. 2009

Chritsian Morgenstern schrieb 1904:

“Lehrer-Komödie. Die Armut der Lehrer, während die Staaten Unsummen für die Wehrmacht hinauswerfen. Da sie nur Lehrer für 600 Mark sich leisten können, bleiben die Völker so dumm, dass sie sich Kriege für 60 Milliarden leisten müssen.”

(Stufen, Teddington [Großbritannien] 2006, Seite 84)

Die Geldangaben stimmen nicht mehr. Man muss sie nur im Verhältnis umrechnen. Und Lehrer gelten nicht unbedingt mehr als arm. Aber auch die Kriege sind unverhältnismäßig teurer geworden.

Eigentlich – gelungen

5. 11. 2009

Der erste Überraschungsgast war die Konfusion: In der einen Zeitung stand 19.00 Uhr als Beginn, in der anderen 19.30 Uhr.

Na, dann begannen wir mit dem Abspann. Um 19.30 Uhr die Zugabe, Pause zum Lüften um Viertel nach Acht, und um kurz nach Neun war Ende. So 25 bsi 30 Leute waren da. Und alle, auch die Künstler, hatten was zu lachen. Höhepunkt war Morgensterns “Fisches Nachtgesang”, bei dem alle den Refrain mitsingen sollten, und Thomas Kagermann hat fischgemäß auf stummer Geige begleitet.  Onebbo hat das Ganze aufgezeichnet. (Unter der Kategorie “Theomix TV” zu finden.)

Thomas Kagermann und ich sind bereit zu weiteren Untaten. Ende Januar möchten wir neue Pläne schmieden. Und dann werden Termine rechtzeitig hier bekannt gegeben. Versprochen.

Welttag des Purzelbaums

27. 5. 2009

Am Welttag des Purzelbaums (27. Mai) das berühmte Gedicht von Christian Morgenstern:

Der Purzelbaum

Ein Purzelbaum trat vor mich hin
und sagte: “Du nur siehst mich
und weißt, was für ein Baum ich bin:
Ich schieße nicht, man schießt mich.

Und trag ich Frucht? Ich glaube kaum;
auch bin ich nicht verwurzelt.
Ich bin nur noch ein Purzeltraum,
sobald ich hingepurzelt.”

“Je nun,” so sprach ich, “bester Schatz,
du bist doch klug und siehst uns: -
nun, auch für uns besteht der Satz:
Wir schießen nicht, es schießt uns.

Auch Wurzeln treibt man nicht so bald
und Früchte nun erst recht nicht.
Geh heim in deinen Purzelwald,
und lästre dein Geschlecht nicht.”