Posts Tagged ‘Christian Morgenstern’

Egal wie, Hauptsache anders

17. 6. 2014

Christian Morgenstern:

Der Ästhet

Wenn ich sitze, will ich nicht
sitzen, wie mein Sitz-Fleisch möchte,
sondern wie mein Sitz-Geist sich,
säße er, den Stuhl sich flöchte.

Der jedoch bedarf nicht viel,
schätzt am Stuhl allein den Stil,
überlässt den Zweck des Möbels
ohne Grimm der Gier des Pöbels.

Pfingsten: Gottesdienst mit Galgenliedern

8. 6. 2014

Pfingsten – Sprachwunder: Ein Brausen in verschiedenen Sprachen. Von außen nicht zu verstehen, von innen, vom Geist Gottes überträufelt, schon.

In einem Schulgottesdienst habe ich die Außenansicht darstellen können.

Man nehme:
1 Kirche
30 .- 40 Schulkinder der Klassen 3 und 4
1 Ausgabe “Christian Morgenstern, Galgenlieder”

Ich öffnete das Buch beim Gedicht “Das große Lalula“,
teilte die Schülerschar in etwa vier gleichgroße Gruppen ein
und verteilte folgende Zeilen aus dem Gedicht auf jeweils eine Gruppe:

  • “quasti basti bo”
  • “Hontraruru miromente”
  • “zasku zes rü rü”
  • “Entepente, leiolente”

Nun ließ ich alle zusammen ihren Satz mehrfach hintereinander laut vortragen.

Ein Tosen und  Brausen, unverständlich.

Das Wunder war: Viele verstanden die Sprache und der Geist floss über. Die Christenheit erinnert sich jedes Jahr zu Pfingsten daran.

Ich wünsche euch ein be-geist-erndes Pfingstfest!

 

Dieser Klassiker darf nicht fehlen

1. 4. 2014

Christian Morgenstern:
Der Lattenzaun

Es war einmal ein Lattenzaun,
mit Zwischenraum, hindurchzuschaun.

Ein Architekt, der dieses sah,
stand eines Abends plötzlich da -

und nahm den Zwischenraum heraus
und baute draus ein großes Haus.

Der Zaun indessen stand ganz dumm,
mit Latten ohne was herum,

Ein Anblick grässlich und gemein.
Drum zog ihn der Senat auch ein.

Der Architekt jedoch entfloh
nach Afri- od- Ameriko.

Wie hat mein Blog das so lange ohne dieses zentrale Gedicht ausgehalten?

Ist zufällig Frau Windelband zugegen?

13. 3. 2014

Christian Morgenstern:
Kennst du den großen Elefanten…

Kennst du den großen Elefanten,
du weißt, den Onkel von den Tanten,
den ganz ganz großen, weißt du, der,
der immer so macht, hin und her.

Der lässt dich nämlich vielmals grüßen,
er hat mit seinen eignen Füßen
hineingeschrieben in den Sand:
Grüß mir Sophiechen Windelband!

Du darfst nicht zu sehr drüber lachen!
Wenn Elefanten so was machen,
so ist dies selten, meiner Seel!
Weit seltner als bei dem Kamel.

Der will nur wortspielen

16. 1. 2014

Christian Morgenstern:
Der Werwolf

Ein Werwolf eines Nachts entwich
von Weib und Kind und sich begab
an eines Dorfschullehrers Grab
und bat ihn: “Bitte, beuge mich!”

Der Dorfschulmeister stieg hinauf
auf seines Blechschilds Messingknauf
und sprach zum Wolf, der seine Pfoten
geduldig kreuzte vor dem Toten:

“Der Werwolf”, sprach der gute Mann,
“des Weswolfs, Genitiv sodann,
dem Wemwolf, Dativ, wie mans nennt,
den Wenwolf, – damit hats ein End.”

Dem Werwolf schmeichelten die Fälle,
er rollte seine Augenbälle.
“Indessen”, bat er, “füge doch
zur Einzahl auch die Mehrzahl noch!”

Der Dorfschulmeister aber musste
gestehn, dass er von ihr nichts wusste.
Zwar Wölfe gäbs in großer Schar,
doch “Wer” gäbs nur im Singular.

Der Wolf erhob sich tränenblind -
er hatte ja doch Weib und Kind!!
Doch da er kein Gelehrter eben,
so schied er dankend und ergeben.

Hier besonders an >N< gedacht, mit Dank für die Erinnerung an dieses wertvolle Gedicht, indem sie eine Kopie zur Erweiterung der Kulturbildung für sich, die nachwachsende Generation und eventuell bedürftige Gäste an die Toiletteninnentür geheftet hat. (Und sowieso Dank auch für den Austausch. Ist eigentlich klar, nur nicht allen Leserinnen und Lesern. ;) )

Die wirklich praktischen Leute

30. 10. 2013

Ein Gedicht von Christian Morgenstern

Es kommen zu Palmström heute
die wirklich praktischen Leute,

die wirklich auf allen Zehen
im wirklichen Leben stehen.

Sie klopfen ihm auf den Rücken
und sind in sehr vielen Stücken –

so sagen sie – ganz die Seinen.
Doch wer, der mit beiden Beinen

im wirklichen Leben stände,
der wüsste doch und befände,

wie viel, so gut auch der Wille,
rein idealistische Grille.

Sie schütteln besorgt die Köpfe
und drehn ihm vom Rock die Knöpfe

und hoffen zu postulieren:
er wird auch einer der Ihren,

ein Glanzstück erlesenster Sorte,
ein Bürger, mit einem Worte.

Nach über 100 Jahren immer noch aktuell.

Was mir beim Tod des alten Literaturkritikers

20. 9. 2013

Die Brille

Korf liest gerne schnell und viel;
darum widert ihn das Spiel
all des zwölfmal unerbetnen
Ausgewalzten, Breitgetretnen.

Meistens ist in sechs bis acht
Wörtern völlig abgemacht,
und in ebensoviel Sätzen
lässt sich Bandwurmweisheit schwätzen.

Es erfindet drum sein Geist
etwas, was ihn dem entreißt:
Brillen, deren Energieen
ihm den Text – zusammenziehen!

Beispielsweise dies Gedicht
läse, so bebrillt, man – nicht!
Dreiunddreißig seinesgleichen
gäben erst – Ein – – Fragezeichen!!

Christian Morgenstern

Wenn ein Blog in die Zeitung kommt

13. 8. 2013

Ich habe es fast geahnt. Das Sommerloch hat seinen Preis.

Andererseits: Ich habe nicht geahnt, was für Folgen mein Schalk im Nacken hat, bloß weil ich Morgensterns Galgenlieder mag.

In der Lokalausgabe der Rhein-Zeitung vom 10. August, geschrieben von Mario Quadt:

Da bin ich mit dem Blog ganz anders gelandet als gedacht. Ist trotzdem schön. :)

Lieg vor dir selber auf der Lauer

12. 6. 2013

Christian Morgenstern:

Mopsenleben

Es sitzen Möpse gern auf Mauerecken,
die sich ins Straßenbild hinaus erstrecken,

um von sotanen vorteilhaften Posten
die bunte Welt gemächlich auszukosten.

O Mensch, lieg vor dir selber auf der Lauer,
sonst bist du auch ein Mops nur auf der Mauer.

In der Kreativitätsheptade wiederentdeckt. Ein Kleinod morgensternscher Dichtkunst.

Paul Schrimm lässt grüßen

4. 4. 2013

Der Schnupfen

Christian Morgenstern

Ein Schnupfen hockt auf der Terasse,
auf dass er sich ein Opfer fasse

- und stürzt alsbald mit großem Grimm
auf einen Menschen namens Schrimm.

Paul Schrimm erwidert prompt: “Pitschü!”
und  h a t  ihn drauf bis Montag früh.

Unsinnspoesie, Galgenlied

19. 1. 2013

Christian Morgenstern:

Der Zwölf-Elf

Der Zwölf-Elf hebt die linke Hand:
Da schlägt es Mitternacht im Land.

Es lauscht der Teich mit offnem Mund
Ganz leise heult der Schluchtenhund.

Die Dommel reckt sich auf im Rohr
Der Moosfrosch lugt aus seinem Moor.

Der Schneck horcht auf in seinem Haus
Desglelchen die Kartoffelmaus.

Das Irrlicht selbst macht Halt und Rast
auf einem windgebrochnen Ast.

Sophie, die Maid, hat ein Gesicht:
Das Mondschaf geht zum Hochgericht.

Die Galgenbrüder wehn im Wind.
Im fernen Dorfe schreit ein Kind.

Zwei Maulwürf küssen sich zur Stund
als Neuvermählte auf den Mund.

Hingegen tief im finstern Wald
ein Nachtmahr seine Fäuste ballt:

Dieweil ein später Wanderstrumpf
sich nicht verlief in Teich und Sumpf.

Der Rabe Ralf ruft schaurig: »Kra!
Das End ist da! Das End ist da!«

Der Zwölf-Elf senkt die linke Hand:
Und wieder schläft das ganze Land.

Nach Diktat verreist.
Sinn

Lebenskunst

14. 6. 2012

Sieh, das ist Lebenskunst:
Vom schweren Wahn
des Lebens
sich befrein,
fein hinzulächeln
übers große Muss.

Christian Morgenstern

Darüber kann man nachdenken. Ich finde es gut!
(Und Morgenstern hat manche ernste Sachen geschrieben, mit denen ich nichts anfangen kann.)

Heißes Herz und eisiges Wetter passen nicht zusammen

10. 2. 2012

Der Seufzer

Ein Seufzer lief Schlittschuh auf nächtlichem Eis
und träumte von Liebe und Freude.
Es war an dem Stadtwall, und schneeweiß
glänzten die Stadtwallgebäude.

Der Seufzer dacht an ein Maidelein
und blieb erglühend stehen.
Da schmolz die Eisbahn unter ihm ein -
und er sank – und ward nimmer gesehen.

Christian Morgenstern

Unerhörtes Erlebnis

5. 8. 2011

Christian Morgenstern:

Der Gaul

Es läutet beim Professor Stein.
Die Köchin rupft die Hühner.
Die Minna geht: Wer kann das sein? -
Ein Gaul steht vor derTüre.

Die Minna wirft die Türe zu.
Die Köchin kommt: Was gibt’s denn?
Das Fräulein kommt im Morgenschuh.
Es kommt die ganze Familie.

“Ich bin, verzeihn Sie”, spricht der Gaul,
“der Gaul vom Tischler Bartels.
Ich brachte Ihnen dazumaul
die Tür- und Fensterrahmen!”

Die vierzehn Leute samt dem Mops,
sie stehn, als ob sie träumten.
Das kleinste Kind tut einen Hops,
die andern stehn wie Bäume.

Der Gaul, da keiner ihn versteht,
schnalzt bloß mal mit der Zunge,
dann kehrt er still sich ab und geht
die Treppe wieder hinunter.

Die dreizehn schaun auf ihren Herrn,
ob er nicht sprechen möchte.
Das war, spricht der Professor Stein,
ein unerhörtes Erlebnis! …

Ja, die Pferde, die Philosophie – und die Deutungshoheit der Eliten…


Unübertroffen

2. 5. 2011

Gert Fröbe rezitiert “Gespräch einer Hausschnecke mit sich selbst” von Christian Morgenstern:

Nachlesen lässt es sich auch.


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