Mit ‘Alltag’ getaggte Artikel

Schlechtes Gewissen

18. 4. 2013

Auch eine Alltagserscheinung?
Das schlechte Gewissen. Es meldet sich verzögert (1. Variante) oder schnell (2. Variante)

Erste Variante: Unerledigtes sammelt sich. Im Zwischenmenschlichen bringt das kein gutes Gefühl. Wenn ich dann nichts daran tue und entweder mit Vorschubhandlungen eine Klärung verzögere oder mich mithilfe irgendwelcher (auch nichtmaterieller) Stimulationen davor drücke, dann meldet sich irgendwann das schlechte Gewissen.

Zweite Variante: Schuldbewusstsein rührt sich (“Das hättest du nicht tun dürfen!” Oder “Jenes hättest du tun müssen!”) Dann meldet sich das schlechte Gewissen schnell.

Letzten Endes habe ich keine Lösung für das Problem. Aber deswegen mache ich mir kein schlechtes Gewissen.

Kommentar zur Lage im Blog

1. 4. 2013

Einen Beitrag noch aus einer (eigentlich vergangenen Reihe) kommt morgen. Dann habe ich sie durch, die Reihen und Fortsetzungsgeschichten. Das war lange. Fortbildung, Urlaub, Fastenzeit – jetzt habe ich Lust, (wieder) wild drauflos zu bloggen.

Vierzig mal Alltägliches. Das war interessant. Meist kurz und knackig. Auch mit Füllseln, mehr beim Gesprochenen. Ob das gut ist? Für meinen Stil? Die flotte Schreibe macht mir Laune, das sag ich euch! :)

Ich freue mich darauf, mal wieder anderes einzustellen, Musik, Fotos und so weiter.

Einerseits: 40xalltag war mir persönlich zu lang. – Gerade das macht den Verzicht aus. Das ist die andere Seite

Genießt den zweiten Ostertag!

Kleine Übung

4. 1. 2013

In der Fastenzeit, habe ich überlegt, wäre es schön, etwas zu tun statt etwas zu lassen. “Sieben Wochen mit” statt “… ohne”. Jedenfalls hier auf dem Blog.

Ich werde wohl Vierzig Alltäglichkeiten schreiben. Eine Herausforderung – weil ich doch sonst gerne den Alltag außen vor lasse.

So übe ich jetzt einmal.

Das Wetter war den ganzen Tag herbstlich übel: Es wurde nicht richtig hell. Die Feuchtigkeit von oben wusste nicht, ob sie Nieseln oder Regen heißen sollte. Der Geist hat nicht das Höchstmaß der Wachheit erreicht. Ich habe mein Teil heute erledigt bekommen. Das also doch.

Möge es heute angenehmer sein. Einen schönen Tag noch!

Der Lehrtext der Tageslosung.
Eure Rede soll stets Anklang finden und doch voller Würze sein; ihr sollt imstande sein, jedermann Rede und Antwort zu stehen.
Kolosser 4,6

Ich höre mal lieber auf. Wegen der Würze. Nicht wegen Rede und Antwort. ;)

Strategie in Sicht

12. 12. 2012

Meine Einsicht: Erst Durchsicht bringt Übersicht.

Auf-Brechen

19. 6. 2012

Gastbeitrag von Ruth Knecht

Ich habe zwei beschriebene Abendmahls-Schokolade-Tafeln zur Kommunion meiner Nichte mitgenommen, zerbrochen und von den Kindern verteilen lassen.


Eine süße Nachspeise für alle, Groß und Klein. Ein Abendmahl ohne theologische Konflikte und alte Feindschaften.
Das war sehr schön, sehr passend, hat meiner Nichte gut gefallen und allen Freude gemacht.

Die ganze Messe am Vormittag handelte von der Eucharistie. Dass dann die halbe Verwandtschaft offiziell nicht zugelassen ist und sitzen bleibt, mutet befremdlich an.
Ich bin trotzdem gegangen. Wie gesagt: Selbst Judas war beim Abendmahl. Ich hätte es weder mir, noch dem Mädchen gegenüber richtig gefunden, nicht daran teilzunehmen.
Theologie hin oder her.

Das war die eine Performance, denn ich betrachte das Leben und den Alltag als eine solche. Die andere Performance war die des Schokolade-Abendmahls.
Wer möchte, kann eine Tafel erwerben und auch ein Mahl der Freude und der Verbundenheit feiern. Das ist dann eine weitere Form der erweiterten Performance.
Denn auf die Erweiterung des Blicks und des Horizonts kommt’s an, das ist Leben und Leben ist Kunst.

http://de.wikipedia.org/wiki/Performance_%28Kunst%29#cite_note-17

Herzlichen Dank, Ruth! Das ist eine gelungene Fortsetzung.

Tragisches Gefühl zu Weihnachten – typisch 21. Jahrhundert

28. 12. 2011

Da habe ich mal günstig
etiketten gekauft
für disketten

die disketten habe ich nicht mehr
kein computer mag sie annehmen

zum heiligen fest
find ich den rest
der netten
etiketten

jetzt sitz ich hier
und schneid namensaufkleber
aus den etiketten
der disketten

Handwerker – so oder so

11. 2. 2011

A)

Anruf beim Handwerker.
Mailbox, Rückruf. Problemschilderung.
Er sichert zu, er komme heute, er wisse nur nicht, ob es 16 Uhr oder 22 Uhr wird.
“Aber ich ruf Sie vorher an! Vielleicht springt auch ein Kunde ab.”
Kurz nach 13 Uhr ruft er an, ist eine halbe Stunde später da,
der Azubi kann es machen, er holt ihn nach einer halben Stunde ab.
Alles erledigt.

B)

Anruf.
Die Frau des Handwerkers ist dran und sagt: “Mein Mann ist nicht da. Aber der ruft Sie an.” “Wann?” “Heute!”
- Sendepause -
Anderer Morgen in aller Herrgottsfrüh: Ich erreiche den Chef persönlich. “Wann kommen Sie?” “Heute!” “Können Sie mir die Tageszeit nennen?” “Weiß noch nicht genau. Vermutlich nachmittags.”
- Sendepause -
Nächster Morgen, in aller Herrgottsfrüh. Ich erreiche den Chef persönlich “Sie hatten doch gestern kommen wollen.” “Nuschel, nuschel. ” (Ist auch egal, was dann kommt.) “Wenn Sie kommen können, rufen Sie dann bitte vorher an?” “Ja klar, mache ich.”
Wir wissen schon, wer nicht anruft.

Drei Tage später, der bestellte Handwerker steht vor der Tür. Unangemeldet.

Ich versichere, dass ich das so erlebt habe. Namen, Orte und Jahreszahlen nenne ich natürlich nicht.

Lass mich deine Stütze sein!

27. 11. 2009

Einmal in der Woche unterrichte ich Religion an einer Grundschule. In der ersten Stunde mit einer Gruppe aus der 3. und 4. Klasse, in der zweiten Stunde  aus der 1. und 2. Die zweite Stunde ist wegen der folgenden Frühstückspause offiziell nur 25 Minuten lang.

Dieses Jahr ist es ein großer, wilder Haufen, den ich begrüßen darf. Irgendwie dauernde Unruhe. Ich habe es dann mal so versucht, dass ich die Dauerredner aufstehen ließ. Vielleicht von vorsintflutliche Pädagogik abgeleitet, aber es half. Als einer der Rabauken so vor mir stand, habe ich mich auf seinen Kopf gelehnt und gesagt: “Du bist jetzt meine Stütze.”

In der nächsten Stunde begrüßte er mich mit den Worten: “Darf ich wieder deine Stütze sein?” Und fortan jedes Mal. “Lass mich bitte deine Stütze sein!” Hin und wieder habe ich das dann auch noch mal gemacht. Obwohl er jetzt nicht mehr ganz so rabaukig auf mich wirkt.

Aber es hat sich herumgesprochen. Bei meiner letzten Stunde wollten dann alle Kinder, dass ich sie zur Stütze nehme. Habe ich also alle aufstehen lassen und mich zumeist auf zwei Köpfe, eine Hand links, die andere rechts, gestützt. Bei zwanzig Kindern. Sie fanden es irgendwie toll.

Ich gebe zu, das hat mich gerührt.
Und im Kopf bohrt sich die Frage fest: Warum lässt das Bedürfnis, anderen eine Stütze zu sein, so bald nach? Weil die kleinen Köpfe und Herzen begreifen, es geht nicht nur um eine kurzweilige Spaß-Übung?

Und wenn ich ehrlich bin: Für jeden möchte ich ja auch nicht Stütze sein. Für manche schon. Und war ich’s immer, wenn es nötig war?

“Lass mich deine Stütze sein!” Das wäre auch ein ungewöhnliches Gebet: Dass Gott sein Gewicht auf mich legt. Doch: im Hebräischen ist genau das Gottes Herrlichkeit: Er macht sich schwer!

Lass mich deine Stütze sein! Gib mir deine Herrlichkeit, lass sie mich tragen. Sie hat Gewicht und wird mich nicht abheben lassen. Und gib mir nicht zu viel davon, denn den aufrechten Gang will ich nicht verlernen.

Alltagsmystik über das Buch von der Alltagsmystik

1. 10. 2009

Da habe ich im Leitungsgremium eine Andacht bestritten aus dem wunderbaren Buch von Lorenz Marti, Wie schnürt ein Mystiker seine Schuhe?

Das fand nicht nur ich schön. Das war gut, vor ernsten Themen zugleich heiter und religiös sein zu können.

Beim nächsten Termin kann ich nicht dabei sein. Eine Mitleitende bietet sich an, die Andacht zu machen – wenn ich ihr das Buch leihen könnte.

Das schöne, heitere Buch, das gute, edle Stück!? Ein Stromstoß Panik und eine vernünftige Kopfreaktion. Bitte, sie darf. Natürlich!

Ich lege es auf ihre Unterlagen. Inneres Seufzen, ein bewusster Abschied.

Und zugleich frage ich mich: Bin ich noch ganz bei Trost?

Wie trösten mich materielle Dinge – an denen ich hänge? Was macht es, dass ich daran hänge?

“Haben, als hätte man nicht”, empfehlt der Wanderapostel Paulus. Für den musste vermutlich reichen, was einer (und sei es auch ein Lasttier) auf seinem Rücken tragen kann.

Ich habe mehr, viel mehr. Ein Vierpersonenhaushalt in einem stabilen Haushalt, was sammelt sich da alles an. Nicht alles ist gleich wichtig. Die Vorlieben wechseln, die Lieblingsdinge lassen sich austauschen, nach und nach.

Was verliere ich, wenn ich einen bestimmten Gegenstand ziehen lassen muss, der mir wert ist? Das, was mir dann wichtig an ihm war, behalte ich als inneren Besitz.

Haben als hätte man nicht: Vielleicht gerät der innere Besitz demnächst in die zweite Reihe. Weil es noch Größeres gibt.

Und gerade dieses Buch von diesem Autor regt mich ja an, Begebenheiten aus dem Alltag zu nehmen, um sie im Blick auf das Unendliche zu meditieren. Also hat sich die Lektüre gelohnt, auch wenn das Buch selbst vorübergehend in fremden Hände ist.

Ich kann es also ziehen lassen. Haben als hätte man nicht.
Und wenn es wiederkommt, dann freue ich mich dann doch.


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