Wir basteln einen kritischen Blogbeitrag, Teil 5

Wer kritisch über die Kirche schreiben möchte:

Es ist immer “die” Kirche. Seit 456 Jahren gibt es in Deutschland zwar mehr als eine. Aber Differenzieren könnte ja weh tun.

Die Kirche besteht aus Heuchlern. Oder herzlosen alten Männern. oder aus verhärmten Frauen mit unerfülltem Leben. Andere, möglicherweise sympathische VertreteInnen der Kirche sind auf der oberen Etage unsere Helfer (also die Heilige Margot, äh, also Frau Käßmann zum Beispiel). Das passt jetzt nicht mit dem Feindbild überein. Egal – über innere Widersprüche unserer Argumentation nicht nachdenken. Denn es gibt noch die netten Leute auf den niederen Rängen: in die Irre geführte Schafe, künstlich unmündig gehalten. Die brauchen unser Mitleid.

Wenn mal die Argumente ausgehen:

Bei der Kirche ist auch praktisch, dass man nicht aufhören muss zu meckern, wenn die aktuelle Luft raus ist.
Wir haben ja die Kreuzzüge, die Inquisition und die Hexenverbrennungen.

Ich nehme mich mal als Beispiel.  Ich habe keine Mordabsichten gegen Andersgläubige, mag die Meinungsfreiheit für mich und andere und wüsste gar nicht, wie man ohne Feuerzeug einen Reisighaufen anzündet. Aber ich muss dafür geradestehen, was irgendwelche Simpel vor 600 Jahren ausgeheckt haben..

Beschäftigt euch bitte nicht mit Franziskus, den Quäkern, Dietrich Bonhoeffer oder Martin Luther KIng. Lasst sie einfach weg. Die Welt ist auch so schwierig genug. Hauptsache, die Kirche steht in der geistigen Erbfolge der Totschlagsargumentstrinität, das muss genügen.

Gut ist auch, dass man die Hardcore-Atheisten stets auf seiner Seite hat. Denn die meinen ja, egal, was Christen machen, es ist falsch. (Arno Backhaus)

Auf alle Fälle belegt dann der Skandal, dass es Gott nicht geben kann und / oder Jesus unerreicht bleibt oder beides. Egal. Hauptsache, den autoritären Knackern wird gewaltfrei eins auf die Rübe gegeben!

Ach, den Papst hätte ich fast vergessen! Hier schließt sich der Kreis: Da es nur “die” Kirche gibt, braucht sich niemand darum zu kümmern, dass er in fast allen Konfessionen (außer der römisch-katholischen) keine Rolle spielt.

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48 Antworten to “Wir basteln einen kritischen Blogbeitrag, Teil 5”

  1. OneBBO Says:

    Einen wichtigen Punkt bitte nicht vergessen: Die Kirche ist ein geldgeiles Unternehmen, das nur auf Profit ausgerichtet ist und die Dummheit anderer Menschen dafür ausnützt.

  2. mialieh Says:

    Mit anderen Worten: mach einen Stammtisch aus dem Blog!

    • theomix Says:

      Der deutsche Stammtisch ist das Parlament des kleinen Mannes und man sollte nicht verächtlich auf ihn herabsehen. Aber ein kritischer Blog ist da ganz anders, gründlicher. Und im Ergebnis unterscheidet er sich vom Stammtisch durch… äh… das -elle, also das Virtuelle, das Intellektuelle und das Kleinehelle.

      • mialieh Says:

        Ich sah nicht verächtlich herab, obwohl herab schon, weil der Mann ja klein ist (wie klein eigentlich)?

        • theomix Says:

          Natürlich hast du. Kritisches Bloggen nährt sich doch von Unterstellungen.
          Der kleine Mann muss im Sitzen mindestens ab Brustwarzen über die Tischkante ragen, sonst ist nix mit Trinken und Mitreden.

        • mialieh Says:

          Muss man denn immer so kritisch sein? Kann nicht mal ein bisschen Harmonie in die Bloggerwelt kommen? Reicht nicht schon das Stammtischgeschwätz der Napoleons? Ich möchte einfach nur gut sein und Spaß haben!

        • theomix Says:

          Ja, du hast ja so recht. Wir sehnen uns doch alle nach Frieden und Harmonie!
          Aber die bösen Anderen, die einen aufregen…

          [Die Regeln für Wohlfühl- und Harmonieblogs habe ich noch nicht bündig zusammengefasst.]

  3. Wolfram Says:

    Gibts eigentlich aktuelle Zahlen, wie viele Leute aus der evangelischen Kirche austreten, weil ihnen der Papst nicht paßt? Die letzten Zahlen, die ich gelesen habe, stammen noch von vor dem Konklave – aber da war es fast jeder 10. Austritt aus einer evangelischen Kirche. Wegen des Papstes. Propter potestatem papae? Melanchthon würde im Grabe rotieren.

    • Werner Says:

      Eigentlich müsste die Ökumene ja wirklich nicht so weit gehen, dass “Eure” Leute wegen “unserem” Papst aus der Kirche austreten….

    • Susanne Haun Says:

      Ich mußte wirklich herzhaft lachen! Da sieht man wieder wie naiv ich bin! Ich hätte nicht gedacht, dass die Evangelischen denken, der Papst gehört ihnen :-) :-) :-)

      • theomix Says:

        Nicht “die”. aber einige. Die es jetzt nicht mehr sind. also evangelisch. Oder nicht mehr Mitglied.
        Das gibt es nämlich auch: “Sind Sie evangelisch?” – “Ja!” – “Gehören Sie zu unserer Gemeinde?” “Nein, ich bin vor 15 Jahren ausgetreten.” (Selbst erlebt!)

    • tmp Says:

      Menanchthon würde im Grab rotieren… das ist die neue umweltfreundliche Art der Mutterbodenbelüftung… ;-)

      • theomix Says:

        Vor allem mit DEM Namen eignet man sich fürs Gärtner. [M. = als Humanist gräzisiert von “Schwarzerdt”. Schwarze Erde mit Mutterboden gemischt.

    • theomix Says:

      Dann gehen wir doch mal von einer Dunkelziffer von 20 bis 30 Prozent aus… Vielleicht ist es auch besser, wenn es im Dunkeln bleibt.

  4. Susanne Haun Says:

    Die Menschen sind einfach gestrickt, einer muss Schuld sein.
    Ich hoffe immer, dass das einmal aufhört, die Suche nach dem Globalschuldigen!

  5. minibares Says:

    Die Kreuzzüge waren echt was Verrücktes, die haben nur einen Grund gesucht, Krieg zu führen. Aber die Moslems tun das Gleiche. Hat halt Tradition – könnte man sagen.

  6. tmp Says:

    Als Evangele aus der Kirche austreten, weil mir der Papst nicht passt..?? :shock:
    Darauf muss man erst einmal kommen…

    Das ist so ungefähr wie wenn ich nicht U-Bahn fahre, weil mir die Außenfarbe der Wagons nicht gefällt, oder..?? :cool:

  7. theomix Says:

    Erika, hier ist die Antwort auf deinen Kommentar, der noch kommt! Es wird so unübersichtlich hier… ;)

  8. Frau Momo Says:

    Na toll, all das erfahre ich jetzt, wo ich den Arbeitsvertrag unterschrieben habe…… gehöre ich nun auch zur Achse des Bösen :shock: ? Egal, der “Job” ist trotzdem das Beste, was mir seit langem passiert ist, aber vermutlich bin ich auch schon zu indoktriniert durch zu lange Kirchenmitgliedschaft :-)

  9. tmp Says:

    Ja, so machen sie Kritiker mundtot, indem sie sie für sich arbeiten lassen… ;-)

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