“Wir pflügen und wir streuen”

Wir pflügen und wir streuen” ist ein Erntdedanklied nach Matthias Claudius und steht auch im Gesangbuch.

Das Original ist das Bauernlied. Sein Refrain klingt anders als im Kirchenlied:
“Alle gute Gabe
kömmt oben her, von Gott,
vom schönen blauen Himmel herab!”

Also viel stärker auf die Natur bezogen.

Das Bauernlied nimmt noch andere Aspekte hinzu:
“Auch Frommsein und Vertrauen
und stiller edler Sinn,
Ihm flehn, und auf Ihn schauen,
kömmt alles uns durch Ihn.”

Das ist schon ein Brückenschlag zum Reformationstag, so gut reformatorisch hat Claudius hier geschrieben: Der Mensch wird allein gerecht aus Glauben – aber auch dieser Glaube ist nicht selbstgemacht, sondern “kommt von oben her, von Gott”.

Der Theologe in mir möchte natürlich lieber begreifen als ergriffen werden. Nun gut. Es bleiben Fragen.

Aber das Herz sieht das Geschenk und nimmt es als Motivationsschub für diesen Montag, und wenn es gut geht, auch für die Tage danach…

11 Antworten zu „“Wir pflügen und wir streuen”“

  1. mialieh sagt:

    Oh, das Lied “Wir pflügen und wir streuen” ist sein Kindergartntagen eines meiner Lieblingskirchenlieder (neben “Geh aus mein Herz und suhuhuche Freud”)

  2. theomix sagt:

    Schön zu hören.

  3. BodeständiX sagt:

    Ja, der Matthias Claudius war während meiner Zwangsreligionszeit mein liebster Liederschreiber. Noch heute faszinieren mich die Zeilen seines “Der Mond ist aufgegangen”. Oder anschliessend ans obige Lied:

    Gottlob, dass ich ein Bauer bin;
    Und nicht ein Advokat,
    Der alle Tage seinen Sinn
    Auf Zank und Streiten hat.

    Und wenn er noch so ehrlich ist,
    Wie sie nicht alle sind;
    Fahr ich doch lieber meinen M…
    In Regen und in Wind.

    Denn davon wächst die Saat herfür,
    Ohn Hülfe des Gerichts;
    Aus nichts wird etwas denn bei mir,
    Bei ihm aus etwas nichts.

    Gottlob, dass ich ein Bauer bin;
    Und nicht ein Advokat!
    Und fahr ich wieder zu ihm hin;
    So breche mir das Rad!

  4. theomix sagt:

    Es gibt so einige Schätzchen bei ihm. Dieses Gedicht ist mir entgagnegn, obwohl ich mir vor Jahren eine hübsche Geamtausgabe gekauft und sie dann auch durchgelesen habe…
    Aber da sieht man mal wieder, das Gedächtnis ist ein grobes Sieb…

  5. Claudia sagt:

    Ein schönes Lied, das ich vorzeiten mal im Chor gesungen habe.
    Der Urtext ist an einigen Stellen anders und, wie ich finde, origineller:


    der Strohhalm und die Sterne,
    der Sperling und das Meer.


    er gibt den Kühen Weide
    und unsern Kindern Brot.

  6. Erika sagt:

    Lieber Jörg,
    ich habe aus meinem alten Gesangbuch, das bei meiner Mutter im Nachtschrank lag, das Lied heute NAchmittag aufgeschlagen und es ihr vorgesungen und hielt dabei ihre HAnd. Das hat mich sehr berührt.
    Danke für die Anregung. Vielleicht hat sie es gehört, oder was wahrgenommen…
    Liebe Grüße und Danke für Deine Wünsche gestern
    Erika

  7. theomix sagt:

    @Claudia:
    Ja, genau. Ich habe kich beim Zitieren beschränkt. Danke für die Ergänzung.

    @Erika:
    Liebe Erika,
    “Es ist nur Einer ewig · und an allen Enden · und wir in seinen Händen”, hat M. Claudius auch gedichtet.
    sie hat es sicher gehört, aber was sie wahrgenommen hat, weiß man nicht so genau.
    Herzliche Grüße, Jörg

    @freidenkerin:
    Genau, es geht um ein Lied aus dem Xanxbuch ;)

  8. Frau Pfarrerin sagt:

    Nachdem meine Argumente zu Weisheit 30 schon samt und sonders gebracht wurden, muss ich wenigstens hier meinen, äh, Kommentar dazugeben: Ich fand diese zwei Herbstposts absolut schön.
    Könnte ich zu der Claudius-Gesamtausgabe die Literatur-Angabe haben?

  9. Frau Pfarrerin sagt:

    Ah, danke für die Lit.-Angabe.

  10. theomix sagt:

    Gern geschehen!

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