Lob der Höflichkeit

By theomix

Wer möchte diesen Erdenball
noch fernerhin betreten,
wenn wir Bewohner überall
die Wahrheit sagen täten.

Ihr hießet uns, wir hießen euch
Spitzbuben und Halunken,
wir sagten uns fatales Zeug,
noch eh wir uns betrunken.

Und überall im weiten Land,
als lang bewährtes Mittel,
entsprosste aus der Menschenhand
der treue Knotenknittel.

Da lob ich mir die Höflichkeit,
das zierliche Betrügen.
Du weißt Bescheid, ich weiß Bescheid;
und allen macht’s Vergnügen.

Wilhelm Busch

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7 Antworten zu „Lob der Höflichkeit“

  1. onebbo sagt:

    Sehr schönes Gedicht, vor allem die letzten beiden Zeilen. Viele Menschen verwechseln ja Ehrlichkeit mit Grobheit und Taktlosigkeit, nehmen sich unter dem Deckmantel der Ehrlichkeit alle Unverschämtheiten heraus – und vergessen dabei dann auch gerne, dass Ehrlichkeit nicht dasselbe ist wie Wahrheit.

  2. Sylvia sagt:

    Öhm.

    Danke für die Nachsicht beim offiziellen Klauen :mrgreen:

  3. tmp sagt:

    onebbo…
    darf ich mich da mal ganz verbindlich anschließen..??

  4. onebbo sagt:

    @tmp:
    Die Antwort ist „ja“ mit einer huldvoll-freundlichen Geste ;-)

  5. Erika sagt:

    Ein schönes Gedicht von Herrn Busch, Wilhelm
    Ich bin über den Knotenknittel gestolpert
    das zierliche Betrügen ist auch nett
    ich finde auch, wenn man höflich ist, kann man auch kritisch sein
    der Ton macht die Musik
    vergnügliche Sonnen-Sommer-Grüße
    aus Rheinhessen
    von Erika :-D

  6. mialieh sagt:

    schönes Gedicht. Es zeigt auch, dass es die „Wahrheit“ nicht gibt. Ein BIldungsanreiz: denn es gibt ja auch Ansätze, die behaupten, dass es „die“ Verständigung im Sinne eines völligen Ineinander Aufgehens der Meinungen und Äußerungen nciht gibt.

  7. theomix sagt:

    @onebbo:
    Ja, das ist wahr. Ich hatte schon überlegt, ob ich mich auf die letzten Zeilen beschränke. Aber Busch hat so fein auf diese Pointe hingearbeitet, da würde zu viel fehlen.
    Das war ja wohl am Anfang der Psychowelle, wo man bis zum Erbrechen alles aussprechen musste, wo das Herauslassen der Wut alle Tugenden zur Seite drängte und hinterher das „Aufarbeiten“ zuheilende Wunden ankratzte.

    @Sylvia:
    Öhm, ja.

    @Erika:
    „Faust“ reimte sich nicht.
    Der Ton, ja. So oder so das Anerkennen der Grenze zum anderen Menschen.

    @mialieh:
    Die Wahrheit liegt zuweilen in der Mitte, und dort verläuft oft die Grenze zwischen Menschen.

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