Bonhoeffer, hin und her: Was bleibt?

By theomix

„Von guten Mächten wunderbar geborgen“: ein wunderbares, sehnsuchtsvolles Lied. Ich habe ein Mal eine Interpretation gehört, es sei ein Versuch, religionslos den Glauben zu beschreiben. Dadurch findet Bonhoeffer eine Sprache, die heute noch spricht.

Was bleibt vom „religionslosen Ansatz“? Für uns heute wohl nicht so viel, wie Bonhoeffer erwartet hat. Die Religion ist mit dem Missbrauch des Religiösen durch die Nazis nicht zu Ende gegangen. Im Gegenteil, sie ist seit einigen Jahren wieder im Kommen. Die Kirchen sind Anbieter auf dem „religiösen Markt“ wie andere auch. Und viele in den Kirchen wollen dann auch gut mitziehen, um sich behaupten zu können.

Aber andere Stichwörter sind wichtig geworden. „Die mündig gewordene Welt“: Die Welt kommt ohne Gott aus, sie ist selbstbewusst. Und so können wir auch nicht mehr so tun, als bestünde Christsein im regressiven Verhalten. Das mündige Christsein ist gefragt.

Eine autoritär gestrickte Theologie ist im Mainstream auch nicht mehr populär zu machen. Auch da kann Bonhoeffer nicht punkten? Mein Herz blutet bei dem Gedanken, ihn nur den „Glaubensstrengen“ zu überlassen.

Beide Ansätze, den religionslosen mit dem autoritären sind schwer nur unter einen Hut zu kriegen, und beide Brennpunkte sind nicht mehrhrheitsfähig.

Was bleibt? Sein Lebenszeugnis, sein Verantwortungsbewusstsein, sich auch außerhalb kirchlicher Mauern im christlichen Sinne zu engagieren.

Und seine Bücher sind nach wie vor auf dem Markt. Es kann nicht schaden sie zu lesen – auch wenn man sich an ihm und seinem Denken reibt. Reibung erzeugt Wärme – oder Funkenflug, je nachdem :-)

Und die Mündigkeit, die kann ich nicht oft genug betonen.

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4 Antworten zu „Bonhoeffer, hin und her: Was bleibt?“

  1. rotegraefin sagt:

    An echter Nachfolge reibt sich erst einmal jeder.
    Für mich war immer die Frage, warum gab es nicht mehr Widerstandskämpfer zu der Zeit? Der christliche Auftrag diesbezüglich ist doch eigentlich eindeutig. Wir haben doch Gott mehr zu gehorchen, als den Menschen.
    Wenn das Prinzip erst einmal klar ist, dann bin ich doch nur auf mich und meinen Gott angewiesen, aus Liebe zu mir und Gott lerne ich doch langsam jeden Fehler zu vermeiden, der gegen Gottes Willen ist oder nicht?

  2. theomix sagt:

    Wenn ich es lernen will, ja.
    Da gibt es zum einen die Lernverweigerung.
    Zum andern die „Autoritätsgläubigkeit“. Sie war ja leider nach 1945 nicht ausgetrieben, sonst häten wir die 68er nicht gebraucht. Und manchmal meine ich, wir bräuchten sie wieder. Aber die Kulturpessimisten sehen ja seit ‘68 jede Autorität unterhöhlt. also vielleicht doch deren erfolg?
    Bleibt zum dritten die Bequemlichkeit.
    Und zu guter Letzt, wenn das allles nicht reicht, die blinden Flecken.

  3. rotegraefin sagt:

    @ theomix,
    Hast Du es nicht schon gelernt? Es gilt doch für, die es gelernt haben nur noch darum das Gelernte zu vertiefen um es für die WElt offenbar werden zu lassen.
    „Wer gesammelt in der Tiefe lebt, sieht auch die kleinen Dinge in großen Zusammenhängen.“ soll Edith Stein gesagt haben.
    Sie muss eine tiefe Erkenntnis von der Evolution gehabt haben. Denn sie sagte auch zu ihrer Schwester als sie ins KZ abgeholt wurden: „Komm wir gehen für unser Volk. Es ist ähnlich wie Janussz Korsak, der mit den Kindern und bei den Kindern im Waisenhaus von Warschauer Ghetto geblieben ist.

  4. theomix sagt:

    @rotegraefin: Das können wir von D.B. lernen: Verantwortung übernehmen, im Kleinen und im Großen. Das hat viel mit Solidarität zu tun, und mit unverbogenem Rückggrat. Wie Stein u. Korczak

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