Tatsächlich, ein völliges Problemwort. Die wenigsten können ihm etwas beimessen. Die einen haben es zur Bagatelle gemacht, die anderen verbinden damit säuerliches Moralin.
Theologen sprechen darum lieber von Schuld. Das kommt unserem heutigen Verstehen entgegen. Es erinnert auch an die materielle Herkunft, die zu Jesu Zeiten im jüdsichen Lande für viele bedrohlich war: „Vergib uns unsere Schuld(en)“.
Martin Niemöller hat sich auch gegen das Bagatellisieren gewehrt, und wollte lieber von „Verbrechen“ reden. Auch eine Möglichkeit.
„Sünde“ ist zu stark beim Einzelnen. Übersehen wird die umfassende Sicht, die strukturelle Macht. Ich nenne deshalb noch zwei Stichworte:
Last. Heute stöhnen Menschen unter ihrer Last. Manchmal auch die Last, materiellen Mangel zu tragen. Das hat mit den Strukturen der Sünde zu tun.
Verstrickung: Menschen sind gefangen in allem Möglichen: Sucht, giftige Beziehungen, Schulden.
Nach den Tagen in Prag fällt mir Kafka ein. Viele Geschichten und Parabeln beschreiben die strukturelle Macht der Sünde. Kafka ist einfach alptraumhaft. Und vielleicht ist Sünde am Besten zu verstehen als der Alptraum, den wir manchmal auch im Alltag erfahren. Wir sind mittendrin, haben damit zu tun, aber kriegen es nicht in den Griff. Leider kein Traum.
Schlagworte: Alptraum, Kafka, Last, Sünde, Schuld, Verbechen, Verbrechen
3. 2. 2009 um 18:41
„Für jeden der die Sünde für möglich hält, ist die Welt vor der Liebe sicher.“
habe ich gelesen und mir dick hinter die Ohren geschrieben.
Kennst Du von Kafka den Mann der sein ganzes Leben lang vor dem Tor der Gerechtigkeit wartet? Am Ende seines Lebens wird ihm gesagt, dieses Tor sei nur für ihn gewesen.
Darüber kannst Du jetzt eine ganze Predigt machen. Das ist die Situation heute unserer Gesellschaft.
Das Leben soll auch keiner in den Griff kriegen. Mal wieder so ein blödes Modewort. Stell Dir mal vor, ich nehme Dich in den Griff! Du würdest ganz schön meutern oder?
3. 2. 2009 um 19:17
Alptraumhaft ist fast alles von Kafka…
Und das Leben lässt suich nicht in den Griff kriegen. In den Alpträumen nicht, und außerhalb erst recht nicht.
3. 2. 2009 um 22:41
Ja es ist nur wichtig den Menschen Mut zu machen selber diesen Alptraum zu durchbrechen.
Dafür müssen wir aber erkennen, das viele Menschen diesen Alptraum tief in sich vergraben haben und erst einmal Gift und Galle spucken, wenn daran gerührt wird.
Es sind erst immer narzisstische Kränkungen die notwendig sind um an den guten Kern der Menschen zu rühren.
4. 2. 2009 um 11:44
Was hilft gegen Alpträume? Das Wachwerden.
Dein letzter Satz gibt mir zu denken. Narziss war ja auch kein übler Kerl, wenn er nur endlich vom Spiegelbild wegginge…
4. 2. 2009 um 18:42
„Narziss war ja auch kein übler Kerl, wenn er nur endlich vom Spiegelbild wegginge…“
Alleine schafft der Typ das ja nie! Wir müssen ihn weglocken oder ihm seine Schattenseiten spiegeln. Dann geht er von alleine weg.
Kennst Du den?
Ein Rabbi wird gefragt: „Wie kommt es, dass die armen Leute viel netter und hilfsbereiter sind als die Reichen?“
Darauf der Rabbi: „Schau mal aus dem Fenster. Was siehst Du.“
„Ich sehe Häuser, Bäume, Menschen, Fuhrwerke und Tiere“
„Jetzt schau mal in den Spiegel. Was siehst Du jetzt?“ fragte der Rabbi
„Mich selber“ war die Antwort
„Da kannst Du mal sehen, was ein bisschen Silber ausmacht, Du siehst nur noch Dich selbst“
4. 2. 2009 um 18:43
Den kenne ich